Typische Kennzeichen

Täter kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Oft zieht sich der Missbrauch über viele Jahre hin. Die Handlungen sind vom Täter beabsichtigt. Er hat sie geplant, bewusst herbeigeführt und bestimmte Situationen arrangiert. Häufig sind die ersten Übergriffe für das Kind nicht einzuordnen, sie erscheinen dem Kind zufällig zu geschehen oder offenbar üblich zu sein. Manche Mädchen oder Jungen erleben über viele Jahre hinweg sexuelle Gewalt, wobei sich der Grad der Gewalttätigkeit und die Intensität der sexuellen Übergriffe meist steigern.

Weiterhin besteht fast immer eine Vertrauensbeziehung zum Täter, die dieser missbraucht, so dass bei sexueller Gewalt auch das Vertrauen des Kindes missbraucht wird. Da das Kind aufgrund seiner/ihrer emotionalen und kognitiven Entwicklung  die sexuellen Handlungen nicht einordnen kann und sich deshalb auch nicht bewusst dafür oder dagegen entscheiden kann, ist – egal, wie das Kind sich verhält und ob es etwas evtl. sogar angenehm findet – immer der Täter verantwortlich. Auch besteht ein Geheimhaltungsdruck. Das Kind wird durch Drohungen unter Druck gesetzt, so dass es sich nicht traut, sich zu wehren. Die Geheimhaltung suggeriert dem Kind eine aktive Rolle. Die daraus entstehenden Schuldgefühle des Kindes und der Keil, den der Täter in die Beziehung zu den Personen, die am ehesten helfen würden, treibt, erschweren es immer mehr, über die  erlebte sexuelle Gewalt zu sprechen. Drohungen und Geheimhaltungsdruck führen dazu, dass Kinder häufig erst nach langer Zeit ihr Schweigen brechen und über das Erlebte reden können.

Typisch ist auch das fehlende Mitgefühl des Täters, besonders für sein Opfer. Die Täter haben fast nie Schuldgefühle oder leugnen zumindest ihre Verantwortung an der Tat. Oft wird behauptet, Mädchen „verführten“ oder „provozierten“ den Täter, z.B. wenn sie sich in Rollenspielen als „große Frau“ verkleiden. Dabei ist das niemals eine Aufforderung zum Ausüben sexueller Gewalt. Der Erwachsene muss hier die Grenzen ziehen.

Sexuelle Gewalt wird auch selten nur einmal ausgeübt, es ist meistens eine Wiederholungstat. Einem Versprechen, dass der Täter sein Verhalten in Zukunft unterlassen wird, sollte man nicht trauen. So kann sich das Kind niemals sicher fühlen, wenn die sexuelle Gewalt in der Familie stattfindet. Auch haben Untersuchungen gezeigt, dass sich die sexuelle Gewalt umso intensiver, folgenschwerer und zeitlich länger gestaltet, desto enger die soziale Bindung zwischen dem Täter und dem Kind ist.