Parteilichkeit

Eine wesentliche Grundlage unserer Beratungsarbeit stellt die Parteilichkeit mit den von sexualisierter Gewalt betroffenen Kindern und Jugendlichen dar. Dies bedeutet, die Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen aus ihrer Sichtweise heraus zu betrachten und sich insofern auf ihre Seite zu stellen.

Hierbei nehmen wir die Perspektive der Kinder bzw. Jugendlichen ein und bemühen uns, ihr Erleben mit ihren Augen zu sehen. Es geht darum, in einem „Als-ob-Erleben“ die Situation der Kinder bzw. Jugendlichen möglichst so zu begreifen und zu verstehen, wie sie selbst dies empfinden. Die parteiliche Haltung wird häufig als „unkritisches Glauben“ missverstanden. In der Arbeit mit von sexueller Gewalt Betroffenen geht es aber darum, dass die KlientInnen einen geschützten Rahmen benötigen, um von ihren sexuellen Gewalterfahrungen berichten zu können, ohne dabei mit Zweifeln oder gar Schuldvorwürfen konfrontiert zu werden. Entscheidend ist, dass wir das von ihnen Berichtete nicht (be-)werten, sondern es so annehmen, wie sie es subjektiv für sich erlebt haben. Von sexueller Gewalt Betroffene müssen die Chance erhalten, Vertrauen wieder lernen zu können. Die Glaubwürdigkeit ist für uns nicht im juristischen Sinne sondern im psychologischen Sinne von Bedeutung. Evtl. auftretende Widersprüche werden hier z.B. nicht als Lüge vorgehalten sondern wir versuchen gemeinsam mit den KlientInnen, solche Widersprüche zu erkennen und ihre Bedeutung zu verstehen. So können Ratsuchende hier die Erfahrung machen, dass sie als Personen akzeptiert, ernst genommen und empathisch verstanden werden. Parteilichkeit bedeutet auch, die Verantwortung für die sexuelle Gewalthandlung alleine beim Täter zu belassen. Daraus ergibt sich gleichzeitig, dass die Arbeit mit sexuelle Gewaltausübenden sowie in Verdacht stehenden Personen in dieser Beratungsstelle ausgeschlossen ist. An dieser Stelle soll kurz erwähnt werden, dass das immer bekannter werdende Thema sexueller Gewalt unter Kindern auch in unserer Beratungsstelle mit der Zeit immer häufiger auftaucht. Dabei sehen wir Kinder, die sexuelle Übergriffe begehen, nicht als Täter an, sondern  betrachten es als wesentliche Präventionsmaßnahme, mit diesen auch beraterisch/therapeutisch zu arbeiten. Dies stellt jedoch keinen Schwerpunkt der Arbeit von Sag’s e.V. dar.