Beratung und therapeutische Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Die Grundlagen, auf denen unsere Beratungsarbeit basiert, haben wir unter Grundsätze unserer Arbeit ausführlich beschrieben. Sie können hier direkt angeklickt werden.

Hier wollen wir beschreiben, wie wir in der Regel vorgehen, wenn Sie sich an uns wenden. Die Kontaktaufnahme zu Sag's e.V. und eine erste Terminvereinbarung erfolgen fast immer telefonisch. Meist melden sich Bezugspersonen, die bei einem Kind oder einer/m Jugendlichen z.B. aufgrund von verändertem Verhalten sexuelle Gewalterlebnisse vermuten oder denen sich ein Kind oder ein/e Jugendliche/r anvertraut hat, indem er/sie von erlebter sexueller Gewalt berichtet hat. Z.T. ist der Kontakt durch MitarbeiterInnen von Institutionen, z.B. ErzieherInnen, LehrerInnen, Polizei, ÄrztInnen, Jugendamt o.ä. vermittelt worden. Häufig melden sich Mütter, die sich Sorgen um ihre Kinder machen.  Aber auch ErzieherInnen, LehrerInnen oder Bekannte holen sich Rat im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, bei denen sie sexuelle Gewalterlebnisse vermuten oder die sich ihnen anvertraut haben.

Manchmal kommen die Kinder und/oder Jugendlichen im Anschluss an ein solches Gespräch auf Anregung ihrer Bezugsperson dann selbst zur Beratung. Manche betroffenen Jugendlichen schaffen es auch aus eigener Kraft, sich hier zu melden, um sich Hilfe zu holen.

Wenn gemeinsam weitere Beratungsgespräche vereinbart werden, arbeitet das betroffene Kind, seine Bezugsperson sowie evtl. auch ein (betroffenes) Geschwisterkind grundsätzlich mit jeweils einer eigenen Beraterin. Das, was ein/e KlientIn ihrer/seiner Beraterin erzählt, wird ohne ihr/sein Einverständnis auch nicht an die nächsten Bezugspersonen weitergegeben. Nur im Ausnahmefall, wenn Selbst- oder Fremdgefährdung gegeben sind, muss die Schweigepflicht dahinter zurücktreten. Aber auch dann informieren wir die KlientInnen soweit möglich über unsere Schritte.

Die Beratung wird flexibel und spezifisch auf die Bedürfnisse der KlientInnen abgestimmt. Daher kann hier nur grob eine generelle Vorgehensweise skizziert werden: Die Beratungsstelle von Sag’s e.V. wird in der Regel angefragt, um einen Verdacht von sexueller Gewalt gegen ein Kind abzuklären, oder ein Kind hat sich einer Bezugsperson anvertraut und diese sucht für sich und das Kind Rat. Ist das Kind, um das es geht, jünger als ca. 13 Jahre, führen wir zunächst ein erstes Gespräch mit der/den Bezugsperson/en alleine. Mit betroffenen Jugendlichen findet das Erstgespräch je nach ihrem eigenen Wunsch entweder gemeinsam mit ihrer/n Bezugsperson/en oder auch alleine mit der Beraterin statt. In diesen Erstgesprächen klären wir die näheren Umstände und das Anliegen, mit dem sich die Ratsuchenden an uns wenden und besprechen gemeinsam die Ziele und das weitere Vorgehen.

In den meisten Fällen geht es im Verlauf der Beratung auch darum, das Erlebte in irgendeiner Form ausdrücken und als Teil des eigenen Lebens sehen, annehmen und integrieren zu können. Um das eigene Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, muss die/der KlientIn wieder die Kontrolle übernehmen. Das bedeutet auch, sich intensiv mit den eigenen Stärken und Fähigkeiten zu beschäftigen, die eigenen Ressourcen zu erkennen und zu aktivieren und auch neue (Verhaltens-) Strategien zu erlernen und zu erproben.

Damit die Beratung für die Kinder und Jugendlichen hilfreich verlaufen kann, sollte kein Täterkontakt mehr stattfinden. Auch für die diagnostische Arbeit zur Erhärtung oder Widerlegung eines Verdachtes auf erlebte sexuelle Gewalt ist der vorherige Schutz des Kindes oder des/r Jugendlichen notwendig. Das Sprechen über Erlebnisse sexueller Gewalt ist unter dem meist vorhandenen Schweigegebot und Geheimhaltungsdruck des Täters kaum möglich, so dass der Kontakt zum möglichen Täter zunächst ausgeschlossen werden sollte.

Wir bieten Kindern und Jugendlichen sowie ihren Bezugspersonen Unterstützung an, in ihrem Tempo ihren individuellen Weg der Bewältigung ihrer spezifischen traumatischen Erfahrung mit sexueller Gewalt zu finden. An diesem Punkt in ihrem Leben sehen wir uns als vorübergehende Wegbegleiterinnen, die die KlientInnen auf dem Hintergrund eines ganzheitlichen, humanistischen Menschenbildes mit spezialisiertem Wissen und Erfahrungen betreuen, um ihnen auf ihrer individuellen Suche nach der Überwindung ihrer Schwierigkeiten beizustehen.