Wie geht es vielen Betroffenen?

Die Menschen sind sehr verschieden, deshalb reagieren sie auch verschieden auf das, was ihnen angetan wird. Daher geht es nicht allen gleich. Es gibt aber ein paar Gefühle, die fast alle, denen sexuelle Gewalt angetan wurde oder wird, empfinden. Dazu gehört z.B. das Gefühl, selbst schuldig zu sein. Die Täter schaffen es sehr oft, den Betroffenen einzureden, dass sie selbst die Schuld an dem tragen, was passiert (ist). Es ist wichtig, dass Du weißt, dass wir Dir nie die Schuld geben.

Viele Betroffene sind ganz verwirrt durch das, was ihnen angetan wurde/wird und trauen ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr richtig. Sie fühlen sich verunsichert und können jemanden brauchen, der/die ihnen hilft, sich wieder auf sich selbst verlassen zu können.
Außerdem haben viele in der Schule Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, weil häufig Bilder des Geschehenen kommen, ohne dass sie dies beeinflussen können. Manche können deswegen auch schlecht schlafen.
Oft kommen Gefühle wie Wut und Ärger auf, mit denen es sich nicht leicht leben lässt. Vor allem dann nicht, wenn wir sie nicht mehr richtig kontrollieren können und aggressiv werden – uns selbst oder auch anderen gegenüber. Die Verzweiflung kann so groß werden, dass jemand am liebsten tot sein möchte oder sogar so weit geht, sich selbst zu töten.
Oft stehen Betroffene unter großem Druck, nichts sagen zu dürfen. Täter sind sehr geschickt darin, ihnen Angst zu machen, zu drohen oder sie sogar mit Gewalt zum Schweigen zu zwingen. Manchmal versuchen sie es auch „auf die nette Tour“ und sagen so etwas Ähnliches wie: „Das ist unser kleines Geheimnis. Dir würde sowieso niemand glauben, wenn Du es weiter sagst, mir glauben sie eher!“
Fast alle schämen sich sehr. Auch das macht das Reden darüber sehr schwer. Deshalb ist es uns so wichtig, dass Du weißt: WIR GLAUBEN DIR! und: DAMIT BRAUCHT NIEMAND ALLEIN ZU SEIN!