Daten und Fakten

Trotz einer intensiveren Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit bestehen zum Thema „sexuelle Gewalt“ in der Bevölkerung noch viele Irrtümer. Deshalb zeigen wir hier einige Daten und Fakten auf, die uns wissenswert erscheinen.

Der Begriff „sexuelle Gewalt“ ist nur einer von vielen. In diesem Zusammenhang wird auch häufig von sexuellem Missbrauch, sexualisierter Gewalt oder sexuellen Übergriffen gesprochen. Aus verschiedenen Gründen bevorzugen wir die Bezeichnung „sexuelle Gewalt“, benutzen die anderen Begriffe jedoch auch, wenn es uns an einer Stelle angemessener erscheint.

  • Sexuelle Gewalt „passiert“ nicht zufällig im Affekt, sondern ist in der Regel ein bewusstes und genau geplantes Vorgehen.
  • Sexuelle Gewalt ist selten ein einmaliges Ereignis, fast immer ist es eine Wiederholungstat.
  • Sexuelle Gewalt kennt keine Altersgrenzen. Betroffen können alle Menschen vom Säuglingsalter bis ins hohe Alter sein. Besonders häufig werden Kinder im Vor- und Grundschulalter Opfer von sexueller Gewalt. Untersuchungen belegen, dass jedes 4.-5. Mädchen und jeder 9.-12. Junge bis zum Alter von 14-16 Jahren sexuelle Gewalt erlebt. Z.T. wird vermutet, dass der Anteil der betroffenen Jungen noch höher ist, es ihnen aber aufgrund ihrer Sozialisation noch schwerer als Mädchen fällt, darüber zu sprechen, wenn ihnen sexuelle Gewalt angetan wurde.
  • Der größte Teil der Täter kommt aus dem sozialen Nahbereich. So finden sich unter den Tätern häufig Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde der Familie, Babysitter, Gruppenleiter, Pädagogen, etc. Bei den betroffenen Mädchen kommen die Täter etwa zu einem Drittel aus der Familie bzw. es sind Menschen, die mit dem Mädchen in einem Haushalt leben, z.B. Väter, Stiefelternteile, Brüder, Großeltern. Bei den Jungen sind es statistisch betrachtet z.B. eher Trainer, Lehrer, Bekannte. In den wenigsten Fällen, in nur ca. 6% der Fälle, sind die Täter den Kindern und Jugendlichen völlig unbekannt. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Fremdtäter, über die in den Medien und der Öffentlichkeit häufig berichtet wird und vor denen Kinder meist gewarnt werden.
  • Die Täter sind in der Regel in keiner Weise auffällig, bis auf die Tatsache, dass sie sexuelle Gewalt ausüben. Selten sind sie im medizinischen Sinne psychisch gestört. Eher sind es ganz „normale“ Männer oder auch Frauen, denen wir eine solche Tat nie zutrauen würden. Oft werden diese Menschen für besonders nett, charmant, engagiert, kinderlieb, sozial oder zuverlässig gehalten und die Überraschung – manchmal auch Ungläubigkeit – ist groß, dass sie so etwas getan haben.
  • Sexuelle Gewalt wird überwiegend durch Männer ausgeübt, aber auch Frauen werden zu Täterinnen. Man geht davon aus, dass ca. 10%-15% der sexuelle Gewalt ausübenden Personen Frauen sind. Z.T. wird vermutet, dass der Anteil an Frauen durch eine noch stärkere Tabuisierung eher höher liegt.
  • Sicher ist, dass Täter in allen sozialen Schichten zu finden sind. Es scheint auch kaum einen Unterschied zu machen, aus welcher Kultur die Menschen kommen. Inzwischen ist deutlich geworden, dass ca. ein Drittel der Täter selbst Jugendliche sind. Auffällig ist dabei, dass Jungen wohl zu einem höheren Anteil als Mädchen sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige bzw. Jugendliche erleben.
  • Relativ neu, sich schnell ausbreitend und daher besonders erwähnenswert sind Erscheinungsformen sexueller Gewalt durch neue Medien. Dazu gehören z.B. das Versenden von pornografischem und/oder grenzverletzendem Foto- und Videomaterial über Handys. Auch die Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen in Chatrooms in sexuell gefärbter Weise ist mit den neuen Medien möglich geworden. Dabei nehmen die Täter in diesen Foren gerne eine gefälschte Identität eines Kindes oder Jugendlichen an und täuschen so junge BenutzerInnen.